Oblatinnen der Priesterbruderschaft St. Pius X.

Wer hat sie gegründet?

S. E. Monseigneur Lefebvre hat die Familie der Oblatinnen im Jahre 1973 ins Leben gerufen.
Eine französische Ordensschwester, die im Krankendienst tätig war, sah sich im Gewissen verpflichtet, ihre untreu gewordene Ordensfamilie zu verlassen, und bat in Ecône um Aufnahme. Andere Schwestern haben es ihr nachgemacht, und so ist unsere Gesellschaft entstanden.
Am Anfang waren die Oblatinnen also Ordensschwestern, die kirchenrechtlich von den Verpflichtungen gegenüber ihrer eigenen Kongregation entbunden waren und den Wunsch hatten, ihre Berufung angesichts des postkonziliaren Debakels zu bewahren. Ziemlich schnell haben sich ihnen Personen reiferen Alters angeschlossen, die von ihren Standespflichten frei waren und wünschten, sich im Kontakt mit der Bruderschaft zu heiligen, indem sie sich deren Werken widmeten.
Mittlerweile stellen sich auch andere Anwärterinnen ein, denn unsere flexible Struktur ermöglicht es ihnen, günstigen Boden für ihre Entfaltung zu finden.


Haben sie eine eigene Hierarchie?

Nein, die Oblatinnen haben keine eigene Hierarchie, im Gegensatz zu den meisten weiblichen Kongregationen, z. B. den Schwestern der Bruderschaft St. Pius X., welche ungeachtet ihrer Bezeichnung und der tiefen geistigen Bande, die sie mit der Bruderschaft verbinden, rechtlich unabhängig sind.
Als volle Mitglieder der Bruderschaft – wie die Priester und Brüder – haben wir keine eigene Generaloberin, sondern unterstehen dem Generaloberen der Bruderschaft, derzeit S. E. Monseigneur Bernard Fellay. In seine Hände legen wir unser Treueversprechen ab und halten uns zu seiner Verfügung im Hinblick auf die Bedürfnisse der Bruderschaft.
In den Prioraten unterstehen die Oblatinnen direkt dem Prior.
Wenn eine Gemeinschaft aus mehr als drei Mitgliedern besteht, kann vom Generaloberen eine Oberin bestimmt werden, nach Rücksprache mit dem Prior.


Welcher Unterschied besteht zwischen einer Ordensschwester und einer Oblatin?

Nach dem Wortlaut unserer Statuten – von Monseigneur Lefebvre im Jahre 1982 verfasst – bilden die Oblatinnen „eine Gesellschaft gemeinsamen Lebens ohne Gelübde, jedoch mit einem Versprechen wie die Gesellschaft der Priester der Priesterbruderschaft St. Pius X“. Was bedeutet das?

Wenn wir die Kirchengeschichte betrachten, so stellen wir eine gewisse Entwicklung des Ordenslebens fest: diese reicht von der allgemeinen traditionellen Auffassung des Klosterlebens (mit der Beständigkeit und den feierlichen Gelübden) bis hin zu den neueren Formen der „Stände der Vollkommenheit“. Im Laufe der Zeit sind neue klösterliche Familien entstanden, die nichts von der klösterlichen Tradition preisgegeben haben, jedoch in ihrer Lebensweise flexibler geworden sind. Sie haben sich von den äußeren Formen, die sicher wichtig, aber nicht unbedingt notwendig sind, gelöst und das Wesentliche des gottgeweihten Lebens bewahrt, wie es von der Kirche gebilligt und approbiert wurde.
Das Kirchenrecht definiert diese Gesellschaften gemeinsamen Lebens ohne Gelübde als „zweiten kanonischen Stand der Vollkommenheit“; dem „vollständigen Stand der Vollkommenheit“ – dem vollendeten Typ der Stände der Vollkommenheit – gehören die Orden mit feierlichen Gelübden und die Kongregationen mit einfachen Gelübden an (deren Mitglieder die Bezeichnung „Ordensleute“ voll und ganz verdienen). Die Gesellschaften gemeinsamen Lebens ohne Gelübde besitzen nicht die für den vollständigen kanonischen Stand der Vollkommenheit notwendigen juristischen Elemente, wie etwa die öffentlichen Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams, doch sie haben die anderen Eigenschaften, die zum Wesen des Lebens der Vollkommenheit gehören. Gemäß dem Kirchenrecht sind diese Gesellschaften keine Ordensinstitute im eigentlichen Sinne, noch ihre Mitglieder Ordensleute, doch sind sie diesen durch den Kodex angegliedert.

Dasselbe gilt auch für uns Oblatinnen, denn so hat es S. E. Mgr. Lefebvre gewünscht. Er hat uns einen bestimmten Platz in der Bruderschaft gegeben – und auch in der Kirche. Wurde uns dieser Weg nicht beispielsweise geebnet durch die Barmherzigen Schwestern des hl. Vinzenz von Paul, die auf ausdrücklichen Wunsch ihres Gründers nie Ordensschwestern im kirchenrechtlichen Sinne waren?


Welche Spiritualität haben die Oblatinnen?

Die Spiritualität der Oblatinnen ist jene der Bruderschaft, d. h. die Spiritualität der Kirche selbst, deren Herzmitte das heilige Kreuzesopfer ist, welches täglich auf unseren Altären durch das heilige Messopfer erneuert wird.

Aus diesem Grund ist die heilige Messe die unerschöpfliche Quelle unseres geistigen und religiösen Lebens. (Statuten)
Göttliches Offizium (Prim, Sext und Komplet), Betrachtung, gemeinsamer Rosenkranz, geistliche Lesung, persönliche Gebetszeit: unser ganzer Tagesablauf ist eingetaucht in das Blut des göttlichen Lammes. Durch unsere Oblation haben wir einen festen Platz am Fuße des Kreuzes:
„Sie nehmen gerne am Opfer unseres Herrn teil, wo sie gleich der Schmerzensmutter zu Füßen des Kreuzes stehen.“ (Statuten)

Jesus, den Gekreuzigten, mit den Augen und dem Herzen Mariens betrachten: dies ist wahrhaft die Berufung einer Oblatin.

„Dazu kommt für sie als besondere Meinung für ihr geistliches Leben das Mitleiden mit den Schmerzen Jesu am Kreuz nach dem Vorbild der schmerzhaften Muttergottes, ihrer Patronin – für die Erlösung der Seelen, die Heiligkeit der Priester, für ihre eigene Heiligung.“ (Statuten)

„Für die Priester“: Als Mitglieder einer Bruderschaft, deren Ziel das Priestertum und alles, was sich darauf bezieht, ist, müssen wir uns vor allem für die Priester heiligen.

Am Fest Unserer Lieben Frau vom Mitleiden – dem 10. April 1981 – richtete S. E. Monseigneur Lefebvre folgende Worte an die Oblatinnen von Ecône:

(…) „Sie, liebe Schwestern, Gehilfinnen der Priester, Gehilfinnen nicht nur mit Ihren Händen, sondern auch mit Ihrer Seele, Ihrem Geist, Gehilfinnen des Priestertums, des Opfers unseres Herrn Jesus Christus, seines Kreuzes, der Ausbreitung seines Reiches, der Ausbreitung seiner Liebe, Sie werden sich in ganz besonderer Weise mit der allerseligsten Jungfrau Maria vereinen.
Wie sie werden Sie mit ihrem göttlichen Sohn mitleiden und so auf sehr wirksame Weise an der Erlösung der Seelen mitwirken, in dem Maße, wie Sie es können, in dem Maße, wie die göttliche Vorsehung Ihnen die Gnaden dazu gibt.
Auf diese Weise werden Sie sich tiefer mit dem Priestertum vereinen und dafür beten, dass diese Priester, dass diese Seminaristen, denen Sie dienen, wahre Priester werden, dass sie wahrhaft ein zweiter Christus werden, dass sie sich ihrerseits noch tiefer, noch vollkommener mit der Passion unseres Herrn Jesus Christus vereinigen…
Dies werden Sie von der allerseligsten Jungfrau Maria erbitten. Bringen Sie also Ihre Leiden, Ihre Opfer in diesem Anliegen dar, damit das Reich unseres Herrn Jesus Christus sich ausbreite.“

In diesen für die Kirche und das Priestertum stürmischen Zeiten wollte S. E. Monseigneur Lefebvre unserer Sendung noch eine besondere Intention hinzufügen: „Mehr denn je wird unser Herr in sakrilegischer, schmerzlicher Weise im Stich gelassen, besonders von den gottgeweihten Seelen. Daher fordern wir Sie inständig auf, Ihre kleinen Prüfungen, Ihre Opfer, Ihre Schwierigkeiten, alle Leiden, die der liebe Gott zulässt, in Vereinigung mit den Schmerzen der allerseligsten Jungfrau Maria aufzuopfern, um all diese Sakrilegien zu sühnen.“ (Predigt vom 6. April 1979)

Wenn wir unsere Spiritualität zusammenfassen, so können wir sagen, dass alles in unserem Weiheakt ausgedrückt ist. Deshalb liegt es uns am Herzen, ihn so oft wie möglich zu beten, damit unser Leben immer intensiver und fruchtbarer werde.


Welches ist ihre Lebensform?

„Apostolisch“ könnte man sagen, denn die Oblatinnen sollen an der Seite der Priester die diskrete, gottgewollte Rolle fortsetzen, welche die allerseligste Jungfrau Maria und die heiligen Frauen bei unserem Herrn und seinen Aposteln innehatten.
Der Rahmen eines religiösen Lebens mit flexibleren Strukturen, wie es Gesellschaften gemeinsamen Lebens ohne Gelübde eigen ist (vgl. Frage 5), erlaubt es uns, den Priestern überall zu dienen, unter welchen Bedingungen auch immer sie ihr Apostolat ausüben; es ist eine aktive Lebensform verschiedenster Art, die durch keine Bestimmung unserer Statuten begrenzt ist.


Welche Voraussetzungen sind nötig, um Oblatin zu werden?

Das zweite Ziel der Oblatinnen ist die Hingabe an die Werke der Bruderschaft, d. h. die Unterstützung der Priester, sei es in den Seminaren, den Prioraten oder Schulen. Daher stellt sich bei der Zulassung einer Anwärterin die Frage: „Wird sie später eine Hilfe oder eine Belastung für das Gemeinschaftsleben sein?“
Unter diesem Gesichtspunkt werden folgende Fähigkeiten verlangt:
 

  • allgemeine Ausgeglichenheit;
  • ein Mindestmaß an Urteilsvermögen und gesundem Menschenverstand;
  • genügend Willensstärke, um auch bei Schwierigkeiten auszuharren;
  • eine große Reife, denn eine Oblatin muss von selbst allerhand Situationen meistern können;
  • eine normale Entwicklung und Ausgeglichenheit im affektiven Bereich, was für eine Oblatin umso notwendiger ist, als sie berufen ist, im Dienst der Priester zu stehen, d. h. in Kontakt mit den Priestern zu sein;
  • die für ein Gemeinschaftsleben erforderlichen sozialen Eigenschaften.


Es sei angemerkt, dass das Vorhandensein dieser Fähigkeiten nicht unbedingt ein Zeichen für eine Berufung ist. Wer sie besitzt, ist nicht automatisch zum Ordensleben berufen; wer sie dagegen nicht besitzt, ist sicherlich nicht dazu berufen.
Was ein kanonisches Hindernis für die Zulassung bei bestimmten Kongregationen sein könnte, ist es nicht unbedingt für die Zulassung bei den Oblatinnen; jeder Fall unterliegt der Beurteilung des Generaloberen. Wie für jede religiöse Lebensform, so gilt auch für den Stand der Oblatin: Das Wichtigste ist der Ruf Gottes, d. h. die Berufung.


Wird eine besondere Vorbereitung oder Ausbildung verlangt? Gibt es ein Mindest- oder Höchstalter?

Für den Eintritt bei den Oblatinnen wird keine besondere Vorbereitung verlangt, doch sollte man bereits seit längerem ein wahrhaft christliches Leben in der Tradition geführt haben.

Was das Alter betrifft, so kann es sehr variieren.
Gemäß unseren Statuten können „Personen, deren Alter es ihnen nicht mehr erlaubt, bei den Schwestern der Bruderschaft einzutreten“, um Aufnahme bitten, d. h. Personen, die älter als 30 Jahre sind. Doch es gibt auch Fälle, wo von dieser Bestimmung abgewichen wird, wenn nämlich ein anderes Hindernis als das Alter es den Kandidatinnen unmöglich macht, bei den Schwestern der Bruderschaft Aufnahme zu finden.
Ein Höchstalter gibt es zwar nicht, doch müssen die Anwärterinnen noch fähig sein, sich dem Gemeinschaftsleben anzupassen und der Bruderschaft zu dienen.


Ist eine gute Gesundheit erforderlich?

Sicher müssen wir die nötige Kraft besitzen, um unsere Fähigkeiten dort einsetzen zu können, wohin uns der Gehorsam ruft, doch eine schwächere Gesundheit oder auch gewisse Krankheiten sind nicht unbedingt ein Hindernis für den Eintritt bei den Oblatinnen.


Wird eine Aussteuer verlangt?

Für den Eintritt bei den Oblatinnen wird keine Aussteuer verlangt.
Hier in unserem Noviziat in Salvan bitten wir jedoch die Postulantinnen und Novizinnen um eine Pension von 165 Euro pro Monat, sofern sie diesen Betrag bezahlen können – als Unterstützung für die materiellen Bedürfnisse des Hauses –, denn wir besitzen kein eigenes Einkommen.


Gibt es eine Postulats- und eine Noviziatszeit? Worin bestehen sie?

Unsere Statuten sehen ein Jahr Postulat und ein Jahr Noviziat vor.

Bis zum Jahre 1993 wurden unsere Aspirantinnen in einem der Häuser der Bruderschaft – insbesondere in Bitche in Frankreich – oder in einem Noviziat der Schwestern der Bruderschaft ausgebildet. Die Schwestern hatten die Güte, uns bei der Ausbildung der Novizinnen auszuhelfen, bis die wachsende Zahl der Berufungen unsere höheren Oberen veranlasst hat, diese Aspirantinnen in einem eigenen Noviziat zusammenzuschließen; dieses – wenn auch nicht streng kanonische – Noviziat sollte die besondere Ausbildung der Oblatinnen gewährleisten.
Das Projekt wurde 1993 in Menzingen verwirklicht, wo sich damals gerade das Generalhaus der Bruderschaft niedergelassen hatte, mit P. Franz Schmidberger als Generaloberem.
Von 1993 an meldeten sich so viele Anwärterinnen, dass das Generalhaus sie nicht mehr alle beherbergen konnte und ein neues Heim gefunden werden musste.
Im August 1999 entschied sich Monseigneur Fellay, das Noviziat der Oblatinnen nach Salvan zu verlegen – einem kleinen Dorf im Wallis, 25 km von Ecône entfernt –, wo die Bruderschaft ein Haus besaß, das zu Lebzeiten von Mgr. Lefebvre mit der Absicht, dort eine Jungenschule zu eröffnen, gekauft worden war.
Mittlerweile sind wir fast zehn Jahre in diesen Räumlichkeiten, die allzu lange leer gestanden hatten und deren Renovierung uns immer noch viel Kraft und Energie kostet. Deswegen verlieren wir jedoch unsere Freude nicht, die – wie die Dorfbewohner behaupten – ansteckend ist. Aus diesem Grund haben sie uns sehr schnell bei sich aufgenommen.

Was machen wir hier in Salvan? Unsere Schwestern mussten zwangsläufig alles machen. Sie mussten beispielsweise lernen, wie man mit Besen und Rasenmäher, Pinsel und Bohrmaschine umgeht! Und mehr als einmal galt es, Erfindungsgabe zu beweisen, wenn es an Erfahrung fehlte.
Doch das ist nicht das Wesentliche.

Die Noviziatszeit, die sich gewöhnlich über zwei Jahre erstreckt (ein Jahr Postulat, das mit der Einkleidung endet, welche den eigentlichen Eintritt ins einjährige Noviziat bedeutet), ist eine Zeit der Formung, die mit einer Saatzeit verglichen werden kann.
In der Stille und Sammlung eines zurückgezogenen Lebens bereiten sich Postulantinnen und Novizinnen darauf vor, Gehilfinnen der Priester zu werden, Gehilfinnen – wie wir bereits erwähnt haben – nicht nur mit ihren Händen, sondern auch mit ihrer Seele, mit ihrem Geist.
Noch nicht mit der Hektik des aktiven Lebens konfrontiert, legen sie die Grundlage für ihr künftiges Leben und werden in die Geheimnisse des innerlichen Lebens eingeführt, des „Daseinsgrundes für die gottgeweihten Personen“, wie die Statuten sagen. Sie lernen, dass dieses Leben der Vereinigung mit Gott umso tiefer sein muss, als es später weniger geschützt ist; und sie wenden die Worte, die der hl. Vinzenz von Paul an seine Töchter gerichtet hat, auf ihren eigenen Stand an:
(…) „Da sie draußen mehr den Gelegenheiten zur Sünde ausgesetzt sind als die klausurierten Ordensschwestern und sie als Kloster nur ein Haus (oder die Schule des Priorates) haben (…) und als Klausur den Gehorsam, als Gitter die Furcht Gottes, müssen sie genauso viel oder noch mehr Tugend haben, als wenn sie Professschwestern in einem Orden wären, und sie sind verpflichtet, sich an allen Orten, an denen sie sich draußen befinden, mit ebenso viel Sammlung, Reinheit des Herzens und des Leibes, Loslösung von den Geschöpfen und Erbauung zu verhalten wie wirkliche Ordensschwestern in ihrer klösterlichen Zurückgezogenheit.“

Ein umfangreiches Programm, für dessen Erlernung eine zweijährige Formung im Noviziat nicht zu viel ist!
Am Vor- und Nachmittag wird den Schwestern Unterricht erteilt, je nach Bildungsstand. Die Fächer „Katholische Glaubenslehre“ und „Kirchengeschichte“ fallen dem Hausgeistlichen zu, während die Novizenmeisterin alles unterrichtet, was die Lebensführung und die klösterlichen Tugenden betrifft. Die Entdeckung der Liturgie fügt sich in den Rhythmus des liturgischen Jahres ein; die Nähe von Ecône ermöglicht es allen, die herrlichen Zeremonien der Festtage zu verkosten. Darüber hinaus nährt die geistliche Lesung, in Vereinigung mit der täglichen Bibellesung, die Seele und stärkt den Geist. Die Zeit für das persönliche Studium ermöglicht es den Schwestern, sich das Gehörte und Gelesene anzueignen und es gegebenenfalls zu vertiefen.

Neben dieser geistigen Formung werden die Schwestern auch in häusliche Arbeiten eingeführt und erhalten praktische Kenntnisse im Kochen, Nähen, Waschen und Bügeln, in der Führung einer Sakristei, mit einem Wort, in allem, was das Leben eines Priorates ausmacht.
Fügt man jetzt noch eine halbe Stunde Gesang pro Tag, zwei Rekreationen in wahrer schwesterlicher Freude, einen Ausflug pro Monat (oder fast so häufig) in die schönen Schweizer Berge hinzu, so man hat eine gute Vorstellung von dem Leben, das wir in unserem kleinen Noviziat St. Theresia vom Kinde Jesu führen – einem französisch- und englischsprachigen Noviziat, doch im Augenblick international, bis die göttliche Vorsehung und die Eintrittszahlen die Eröffnung eines Noviziates deutscher und spanischer Sprache erlauben.

Werden nach Ablauf dieser Vorbereitungszeit Gelübde abgelegt? Versprechen?

Nach Ablauf dieser Vorbereitungszeit verpflichtet sich die Novizin nicht durch öffentliche Gelübde, sondern durch einen Akt, mit dem sie Gott ihre Aufopferung als Opfer mit dem göttlichen Schlachtopfer darbringt, und verspricht, die Statuten zu beobachten, besonders was sie vorschreiben über die Tugenden des Gehorsams, der Armut und der Keuschheit.
Nach sechsmaligem einjährigem Versprechen können die Oblatinnen darum bitten, das Versprechen für drei Jahre ablegen zu dürfen, und nach neun Jahren können sie darum bitten, das Versprechen für immer ablegen zu dürfen.
Die Erneuerung des Versprechens findet am 15. September, dem Fest der Sieben Schmerzen Mariens, statt.
Wer es wünscht, kann seine Vereinigung mit dem göttlichen Schlachtopfer durch private Gelübde vertiefen.
Alle jedoch „müssen sich (…) darum bemühen, die Tugenden des Ordenslebens zu üben“ (Statuten), die weit über das hinausreichen, was die Gelübde auferlegen.


Wie sieht der typische Tagesablauf einer Oblatin aus?

Unsere Statuten sehen folgenden Tagesablauf vor:
 

  • 6h00     Aufstehen
  • 6h30     Gemeinsames Gebet (Prim oder Laudes), anschließend Betrachtung
  • 7h15     Heilige Messe
  • 8h00     Frühstück, freie Zeit, Zimmeraufräumen
  • 9h00     Arbeit
  • 12h00    Ende der Arbeit
  • 12h15    Sext
  • 12h30    Mittagessen, Erholung, freie Zeit, Lektüre
  • 15h00    Arbeit
  • 16h15    Kaffee
  • 16h30    Arbeit
  • 18h00    freie Zeit, Rosenkranz oder Aussetzung des Allerheiligsten
  • 19h30    Abendessen
  • 20h45    Komplet, großes Stillschweigen


Im Noviziat ist dieser Tagesablauf etwas abgeändert, da er den Bedürfnissen der Ausbildung angepasst ist.


Wie viele Oblatinnen gibt es zurzeit? Aus welchen Ländern kommen sie?

Novizinnen und Postulantinnen nicht mitgerechnet, sind wir zurzeit 76 Oblatinnen.
Knapp 20 Oblatinnen kommen aus Frankreich, 9 von den Philippinen, 7 aus Deutschland, 6 aus der Schweiz und eine aus Österreich; die anderen stammen aus den Vereinigten Staaten, Kanada, Neuseeland, Argentinien, Mexiko, Guatemala, Belgien, Italien, Litauen, aus der Ukraine, aus Ghana, Kenia, Thailand und Indien.
Im Noviziat befinden sich derzeit 5 Oblatinnen, 2 Novizinnen und 5 Postulantinnen aus 7 verschiedenen Ländern.
Spiegelt sich in dieser Vielfalt der Nationen nicht das weltweite Apostolat der Bruderschaft wider?


Kehrt eine Oblatin nach der Ablegung ihres Versprechens automatisch in ihr Land zurück?

Nein, eine Oblatin kehrt nach der Ablegung ihres Versprechens nicht automatisch in ihr Land zurück.
Wir legen unser Versprechen in die Hände des Generaloberen der Bruderschaft ab und sind uns bewusst, dass wir folglich im Dienste der Bruderschaft stehen und überallhin geschickt werden können.
Wir wissen jedoch, dass unser Generaloberer bei der Bestimmung des Wirkungsortes Rücksicht nimmt auf die Gesundheit, die Sprache und die Fähigkeiten der Oblatin, heißt es doch in unseren Statuten:
Die Oblatin „soll sich großherzig den Bedingungen ihres Apostolates anpassen und auf die Gnaden vertrauen, die Gott den Seelen guten Willens gibt“.


Welche Bedeutung hat der Habit der Oblatinnen?

Wie jeder Ordenshabit, so versinnbildlicht auch jener der Oblatinnen die Trennung von der Welt und die vollkommene Hingabe an Gott.

Um ihn vom Habit der Schwestern der Bruderschaft zu unterscheiden, wünschte Monseigneur Lefebvre, dass die Form des Schleiers bei uns rund statt spitz sei, ebenso der Halsausschnitt des Skapuliers.
Ferner erhalten wir anstelle der Medaille des hl. Pius X. ein Benediktuskreuz, das wir auf unserem Herzen tragen. Ist dieses Kreuz nicht eine ständige Aufforderung an uns, unsere Oblation in Vereinigung mit Unserer Lieben Frau vom Mitleiden zu leben?